Eiszeitliche Landschaftselemente - Sölle
Das Abtauen der mächtigen Eismassen zum Ende der letzten großen
Vereisung nahm Zeit in Anspruch. Es geschah auch nicht gleichmäßig oder
geradlinig, obwohl manche Computer-Simulation das zu suggerieren
scheint. Es war so wie wir es aus schneereichen Gegenden kennen:
frühzeitig entstehen apere (schneefreie) Stellen, während an schattigen,
kühlen Stellen Schneereste noch lange liegen bleiben können.
So hielt das Eis sich noch lange in Kuhlen, Senken und Rinnen, während
ringsumher Schmelzwasser strömte, Sand und Gesteinsschutt ab- und
umgelagert wurde, Moränenwälle entstanden. Über den im Boden liegenden
Eisresten, dem Toteis, wurde ebenfalls
Sedimentmaterial abgelagert - was zusätzlich zur Konservierung des Eises
beitrug. Wir wissen aus Permafrostböden, dass solcherart begrabenes Eis
über viele tausend Jahre erhalten bleiben kann.
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| ein Toteisblock im Spätglazial |
Mit dem allmählichen Abschmelzen des Toteises entstanden oftmals
Bodenhohlformen, deren auflagernde Sedimente nach und nach einstürzten
und mehr oder weniger tiefe Mulden entstehen ließen. Da meist feine,
tonige Sedimente diese Eislöcher nach unten abdichteten, bildeten sich
Seen und Sölle.
Sölle sind spezielle Formen der aus Toteis entstandenen
Gewässer: Es sind nahezu kreisrunde, nicht sehr große Wasserlöcher,
meist etwa 100 m im Durchmesser. Sie können von beachtlicher Tiefe sein,
mit steilen Böschungen. Da sie weder Zu- noch Abfluss hatten, vermoorten
sie häufig in postglazialer Zeit.
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| ein vermoortes Soll im Postglazial |
Beide Abbildungen nach:
KALETTKA, T.(1996): Die Problematik der Sölle (Kleinhohlformen) in
Jungmoränengebieten Norddeutschlands. - Naturschutz und
Landschaftspflege in Brandenburg, Sonderheft Sölle: 4 -12.
Ursprünglich war die norddeutsche Grundmoränenlandschaft übersät von
diesen eiszeitlichen Kleingewässern. Da Sölle in der Landwirtschaft
jedoch zunehmend als störend empfunden wurden, verschwanden sie im
vorigen Jahrhundert zu einem großen Teil. Oft stellten die Mulden eine
willkommene Deponie für Bauschutt und andere Abfälle dar, sie wurden
zugeschüttet und eingeebnet. Erhaltene Sölle stehen heute unter Schutz,
sind in Schleswig-Holstein aber kaum in ursprünglicher Erhaltung zu
finden.
In Mecklenburg und Brandenburg hingegen fallen bei einer Fahrt über Land
hier und dort noch die runden, moorigen oder wassergefüllten Mulden in
den weiten Flächen auf. Ihre Zahl war hier in der ausgedehnten
Grundmoränenlandschaft besonders groß gewesen, so ist trotz
systematischer Verfüllung nach dem 2. Weltkrieg noch ein - jetzt
geschützter - Restbestand in der Landschaft vorhanden. In Luftaufnahmen
ist ihre kreisrunde Form besonders schön zu erkennen.
Zwei Aufnahmen im Novembernebel…
Manchmal sind die Sölle noch von Gesträuch oder Kopfweiden umstanden,
oft aber reicht die landwirtschaftliche Bearbeitung schon bis an den
Rand der Senke - was heute vom Biotopschutz nicht gerne gesehen wird.
Weitere Infos unter:
http://www.lung.mv-regierung.de/dateien/vortrag_soelle_jeschke.pdf
und: http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%B6ll_(Teich)




